Verdichtung erhöhen

Ab jetzt hier alle momentanen technischen Probleme und Fragen posten!
Benutzeravatar
nafets
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 481
Registriert: 2. Juli 2010, 09:55
Wohnort: Gilching

Verdichtung erhöhen

Beitrag von nafets » 18. April 2013, 23:39

Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich spiele schon länger mit dem Gedanken, die Verdichtung meines Motors zu erhöhen.
Damit steigt bekanntermaßen der Mitteldruck, somit das Drehmoment und letztendlich auch die Leistung.
Mit meinem derzeitigen Kolben von 74,5 mm Durchmesser und dem errechneten Brennraumvolumen von 68cm³ komme ich auf eine Verdichtung von 6,4:1 Das ist zwar schon etwas mehr als das, was der Motor original hat (5,5:1), Ursache ist die größere Bohrung und der etwas höhere Kolben. Aber richtig viel ist das auch noch nicht. Daß die Motoren damals mit so geringer Verdichtung gebaut wurden, lag sicher an der geringeren Oktanzahl des Kraftstoffes.
Um die Verdichtung zu erhöhen lassen sich am oberen Ende des Zylinders 2mm abdrehen. Ist nichts neues und wurde, wie ich gelesen habe von anderen Forumsmitgliedern auch schon gemacht. Das ergäbe dann bei mir rechnerisch eine Verdichtung von 7,2:1
Recht viel mehr geht oben am Zylinder aber nicht abzudrehen, denn dann kommt die erste Kühlrippe und die soll schon noch bleiben.
Der Abstand des Kolbens vom Zylinderkopf ist dann immer noch bei ca 2,5mm statisch. Dynamisch, also bei Drehzahl kann es sicher etwas weniger werden, aber noch unkritisch.
Um aber auf eine Verdichtung von 9:1 zu kommen, das hat beispielsweise eine Yamaha XT500, ist also noch recht konservativ, müßte ich am unteren Ende des Zylinders weitere 2,6mm entfernen.
Damit schlägt der Kolben dann aber definitiv im Zylinderkopf an. Das bedeutet, daß jetzt auch der Kolben am oberen Rand umlaufend abgedreht werden muß.
Die Ventile machen noch keine Probleme. Die haben mit den bestehenden Ventiltaschen dann immer noch einen Abstand von 4mm zum Kolben.
Alles Theorie, jetzt bin ich aber bei einem Freund auf eine alte Zeichnung für eben solche Änderungen an den Maschinen für die Werksfahrer der Viktoria Bergmeister gestossen.
Die Zeichnung stammt offenbar von 1956, der Zylinder wird dort um 3mm gekürzt und auch der Kolben muß am oberen Rand abgedreht werden um die Verdichtung auf 9,8:1 anzuheben.
Und jetzt will ich natürlich Eure Meinung hören, bevor der Zylinder und eventuell auch der Kolben auf die Drehbank kommen.
Also wer weiß was?
Was ist machbar?
was kritisch?
was geht gar nicht?

schönen Gruß
Stefan

PS: wer jetzt frägt warum das Ganze?
1.warum nicht?
2.bei uns in Bayern gibt es Berge und dahinter wieder Berge und dahinter ist vieleicht nicht mehr Bayern aber immer noch Berge
3.Ein Freund von mir baut gerade den Motor seiner Viktoria Bergmeister zusammen...
Dateianhänge
Viktoria BErgmeister tuning.jpg

Benutzeravatar
Bert
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 325
Registriert: 9. Dezember 2008, 13:40
Wohnort: Eisenach

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von Bert » 19. April 2013, 07:57

Also ich habe 3mm vom Zylinderfuß abgedreht den es gibt nicht nur in Bayern Berge sondern auch in Thüringen. :pat:
Fahre mit Beiwagen und zwei Kinder bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. :king:
Mit EMW R35+Stoye 1953, BMW R35 1937, Rt 125 1962, AWO Sport 1961, S51 1988

Benutzeravatar
Gobi
Administrator
Administrator
Beiträge: 4021
Registriert: 5. Dezember 2002, 01:06
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von Gobi » 19. April 2013, 19:00

Bringt schon was, aber keine Wunder erwarten - im Anfahren merkt man es auf alle Fälle, das ist mir öfter an der Ampel aufgefallen, aber bei höheren Geschwindigkeiten, ich weiß auch nicht.... Das Ganze ist immer so subjektiv.
Ich war von meinem Resultat etwas endtäuscht und dachte immer, das hat fast nichts gebracht, dann habe ich jemandens EMW repariert und bin sie probegefahren und war plötzlich über meine SEHR glücklich. Aber vielleicht war auch nur die andere so omahaft?
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

Benutzeravatar
onkel
Verdienter Aktivist des Forums
Verdienter Aktivist des Forums
Beiträge: 1130
Registriert: 27. Juli 2003, 21:36
Wohnort: Gaggenau , im wilden Süden

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von onkel » 20. April 2013, 14:57

Wenn mit der Verdichtungserhöhung auch die Füllung verbessert wird, ist es schon spür und messbar.
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

http://www.bmw-r35.de

Benutzeravatar
Gobi
Administrator
Administrator
Beiträge: 4021
Registriert: 5. Dezember 2002, 01:06
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von Gobi » 20. April 2013, 18:33

:mrgreen: hä,hä,hä, gehts ein weinig konkreter? :mrgreen:
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

Benutzeravatar
onkel
Verdienter Aktivist des Forums
Verdienter Aktivist des Forums
Beiträge: 1130
Registriert: 27. Juli 2003, 21:36
Wohnort: Gaggenau , im wilden Süden

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von onkel » 20. April 2013, 21:24

grösseres Einlassventil, Kanal bearbeiten, Störkanten beseitigen, Ansaugweg verlängern , Kipphebel abflachen usw......
Steht doch alles in dem Buch : wie mache ich die R35 schneller... ;-)
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

http://www.bmw-r35.de

Benutzeravatar
nafets
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 481
Registriert: 2. Juli 2010, 09:55
Wohnort: Gilching

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von nafets » 21. April 2013, 10:49

Ansaugweg hab ich schon letztes Jahr alles rund und glatt gemacht. Den Vergaser auf der Seite des Anschraubflansches konisch ausgedreht, so daß der Übergang zum Zylinderkopf ohne Stufe ist. Auch die Pertinaxplatte zwischen Kopf und Vergaser hab ich angepaßt.
Ventile laß ich erst mal. Ich erhoffe mir allerdings, daß durch den um 5mm kürzeren Zylinder (oben 2,1mm und unten 2,9mm abgedreht) mit den dann um 5mm zu langen Stösselstangen durch Verdrehen der Schwinghebel auf der Stösselstangenseite die Kipphebelübersetzung etwas größer wird und damit die Ventile ein bißchen weiter aufgehen.
Jetzt bin ich aber erst mal dran den Kolben so ähnlich wie auf der Zeichnung oben seitlich ein wenig abzudrehen. Zudem muß ich noch die Ventiltaschen im Durchmesser etwas vergrößern. Da ich keine Fräse sondern nur eine Drehbank habe, wird das eine ganz schöne Pfriemelei, bis ich den Kolben entsprechend aufgespannt habe.
Mit der Verlängerung des Ansaugweges spiel ich schon seit letztem Sommer durch unterschiedlich lange offene Trichter.

Gruß
Stefan

icwiener
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 332
Registriert: 6. Mai 2003, 08:13
Wohnort: Schwerin M/V

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von icwiener » 22. April 2013, 12:59

wenn du den kolben abdrehen willst: über dem oberen kolbenring der feuersteg sollte schon noch eine gewisse resthöhe haben, damit der ring nicht zuviel hitze bekommt. bei aktuellen kolben sind das wenigstens 5mm!

theoretisch wäre es besser, gewölbte kolben zu nehmen, aber das halbe forum hat jahre mit der vergeblichen suche danach verbracht ;-) die verfügbaren hc (high-compression) kolben sind einfach alle deutlich zu schwer und haben auch selten 18mm bolzenauge drin.

ich habe mal probeweise auf einem japanischen kolben was aufgeschweisst, leider hat der sich dabei extrem verzogen :-(

verdichtung alleine erhöhen bringt schon was, aber der richtige kick kommt erst bei realisierung des großen tuning programmes, einfach mal nach "tuning" hier im forum suchen.
"I tried religion, meditation, even therapy... then I realized all I really needed was more horsepower. "

Benutzeravatar
Danny
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 643
Registriert: 9. November 2008, 11:43
Wohnort: Ohrdruf

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von Danny » 22. April 2013, 20:23

Bei Schneider Piston gibts Kolben mit gewölbten Kolbenboden,wie schwer die sind kann ich allerdings nicht sagen. @55er Gespann : klingt stark nach Zündapp K800 :top:
Eine BMW kann nicht einzylindrig genug sein

Benutzeravatar
nafets
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 481
Registriert: 2. Juli 2010, 09:55
Wohnort: Gilching

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von nafets » 22. April 2013, 21:08

Hallo Forenfreunde,

hab mal ein paar Bilder vom bisherigen Stand gemacht.
Zylinder, wie schon weiter oben beschrieben um 5mm gekürzt.
Kolben oben seitlich abdrehen mußte sein, weil der Brennraumdurchmesser erheblich kleiner als der Zylinder ist, Kolben hat trotz seitlichem Abdrehen über dem obersten Ring noch 5,3mm Fleisch.
Richtig aufwendig war bei meinen begrenzten Möglichkeiten die Aufnahme für den Kolben zum anpassen der Ventiltaschen, diese mußten vor allem weiter nach außen, weil sonst die Ventile schon im geschlossenen Zustand kollidierten.
Hab jetzt nach zig mal Zylinder und Kopf rauf und runter um den aktuellen Abstand zu überprüfen den letzten Stand mit überall mindestens 1,5mm Luft. Ventile ohne Spiel und Motor 2 Umdrehungen durchgedreht. Ist schon mit Kopfdichtung aus 0,8mm Kupfer aber noch ohne Fußdichtung, da wird der Abstand dann noch etwas mehr, je nach Papierstärke.
Stößelstangen hab ich nicht gekürzt sondern die Kipphebel stößelstangenseitig um 1 Zahn nach oben gedreht.... und bei der Gelegenheit gleich festgestellt, daß am Einlaßventil die äußere Feder gebrochen war.

Sobald es was neues gibt, meld ich mich.
Tips und Ratschläge sind herzlich willkommen, nur Angst, daß das alles schiefgeht, braucht ihr mir keine zu machen, die hab ich schon.

Gruß Stefan
Dateianhänge
3 Kolbenüberstand 500pixel.jpg
4Kolben abgedreht 500pixel.jpg
5 Kolben Ventiltaschen angepasst 500pixel.jpg
6 Abstand Kolben zu Zylkopf 500pixel.jpg

Benutzeravatar
Gobi
Administrator
Administrator
Beiträge: 4021
Registriert: 5. Dezember 2002, 01:06
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von Gobi » 23. April 2013, 06:22

@Danny: sieht für mich ganz vernünftig aus, die Art wie Du die Ventiltaschen gemacht hast ist ja schon geradezu liebevoll - ich hab meine nur freihand geschnitzt :mrgreen: ansonsten aber auch mit Knete gesucht.
Wenn Dein Zylinder so übermaßig ist, erhältst Du jetzt die legendäre Quetschkante, die sollte aber auch zeimlich eng sein, ich glaube max. 1 mm.
Zur Endkontrolle kannst Du später Lötzinn durchs Zündkerzenloch schieben und schauen, wie es sich quetscht, das beruhigt ungemein. Im Prinzip ist Deine Lösung meiner ganz ähnlich, nur einfacher :aem:
Wenn du tot bist, dann bist du lange Zeit tot.
Burt Munro

Benutzeravatar
onkel
Verdienter Aktivist des Forums
Verdienter Aktivist des Forums
Beiträge: 1130
Registriert: 27. Juli 2003, 21:36
Wohnort: Gaggenau , im wilden Süden

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von onkel » 23. April 2013, 07:00

Thema Abstände :

Ventile sollten axial 1,5mm Luft haben, alles andere 1mm .
Darunter kann es kritisch werden ( Aufschwingen der Kurbelwelle, flattern der Ventile usw. )
Gruss Onkel,
aus dem wilden, sonnigen Süden

http://www.bmw-r35.de

Benutzeravatar
papi01
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 1249
Registriert: 17. Oktober 2009, 16:30
Wohnort: Landkreis Görlitz

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von papi01 » 23. April 2013, 07:14

An dieser Stelle möchte ich Stefan für seine Kolbenaufspannung ein großes Lob aussprechen. Ich habe selbst einige Jahre im Gasturbinenversuchsbau als Dreher gearbeitet und kann das beurteilen. Da musste auch vieles improvisiert werden. Auf Anhieb wäre mir eine solche Lösung nicht eingefallen ! :king:
Es grüßt der Hans

icwiener
Aktivist
Aktivist
Beiträge: 332
Registriert: 6. Mai 2003, 08:13
Wohnort: Schwerin M/V

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von icwiener » 23. April 2013, 08:49

quetschkanten sind bei modernen motoren immer mindestens 1mm!! bei ducatis mit titan pleueln kann man ruhig auch mal auf 0,9mm runter gehen, aber weniger niemals!

eine gebrochene ventilfeder reparieren ist übrigens auch schon ein guter anfang für erfolgreiche motorenoptimierung ;-) die emw federn sind vergleichsweise extrem weich, also bei getunten höher-drehenden motoren immer auf geräusche von abhebenden ventilstößeln achten!
"I tried religion, meditation, even therapy... then I realized all I really needed was more horsepower. "

Benutzeravatar
Andrebiker
Dr. mot.
Dr. mot.
Beiträge: 1082
Registriert: 23. April 2003, 11:53
Wohnort: Kgr. Sachsen

Re: Verdichtung erhöhen

Beitrag von Andrebiker » 23. April 2013, 16:45

55erGespann hat geschrieben:...Der Weg ist schon erstaunlich. Durch einen Minidurchlass, um die Ecken und dann natürlich irgendwo erst in 2 Wege aufgeteilt und dann jeder Abzweig noch einmal geteilt. Es ist schon fast erstaunlich, dass da überhaupt zur rechten Zeit am entsprechenden Zylinder Sprit ankommt...
Typisch Küchenmotoren. Ich gebe ehrlich zu, daß ich die Motoren aus dieser Feder nicht mag und kann nicht verstehen, daß sie so hoch gelobt werden. Wenn ich schon an die geteilten Nadelllager am Pleuel denke :nono:

Gruß, André
Unsere Motorräder laufen nun schon 60 Jahre, trotz so angeblich untragbarer Dinge wie Kontaktzündung und mechanischer Regler. Oder vielleicht gerade deshalb?

PS: Ich danke allen, die zur Sache nichts zu sagen hatten und trotzdem geschwiegen haben.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste